Frau im Glück?

Wir Frauen heutzutage, darunter auch wir Mütter, wünschen uns ein einfacheres und doch besseres Leben. Ist das möglich und überhaupt sinnvoll und kann man dann überhaupt etwas verändern?

Ich bin heute auf einen wunderbaren Artikel über die Mär vom einfachen Leben in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung gestoßen. Ich würde hinzufügen – das achtsame Leben, was uns vorgestellt wird ist einfach, sieht toll aus und ist trotzdem sinnvoll und es wird nachhaltig gehandelt. „Aktuellen Frauenzeitschriften gelingt eine Umdeutung, wie sie nur der Kapitalismus ausbrüten kann: Der Weg zum Weniger führt über das Mehr.“, so Silke Burmester.

Eine meiner geliebten Frauenzeitschriften Die Flow zählt auch dazu, zusammen mit Hygge, Slow etc.: „Es sind Brot und Spiele für eine Generation von Frauen, die gegen die Umstände ihrer Erschöpfung, den Verursacher der Überforderung nicht rebelliert. Die prekären Arbeitsverhältnisse und ein Auspressen bis zum Burnout widerstandslos hinnimmt. Und sich einreden lässt, sie müsse nur mal backen, dann gehe es schon wieder. So dämlich wäre Hans im Glück nie gewesen.“

Zurecht fragt die Autorin danach, wo die Einmischung der Frauen und das politische Engagement bleiben. Und dabei habe ich kaum feministische Gedanken. Ich stelle mir die Frage, was wir zum Beispiel als Mütter machen. Wir sehen ja tagtäglich, wie es an deutschen Schulen zugeht – in jeder Hinsicht. Und ich meine damit die pädagogischen und sozialen Experimente, die mit der Generation unserer Kinder gemacht werden. Angefangen beim Schreiben nach Gehör, Flexklassen, fehlenden Hausaufgaben, und doch Ganztagsbetreuung etc. Warum passiert hier nichts, obwohl allein in den letzten Tagen 2 bekannte Mütter ihre Kinder (schon im Dezember!) von der staatlichen auf eine private Grundschule versetzt haben? Warum gibt es keine Elternbewegung, nicht mal eine Initiative oder vielleicht eine Arbeitsgruppe? Sollte man sich nicht besser einmischen? Erziehung und Bildung sind schließlich gemeinsame Aufgabe von Familie und Pädagogen.

Genug Fragen für diesen Abend. Die Überlegung zu Frauenzeitschriften, die Achtsamkeit und Einfachheit predigen, kann einen zu vielen weiteren Fragen zu allen möglichen Themen, die in unserer „entwickelten“ Gesellschaft mangelhaft behandelt werden, führen. Und das ist gut so. Denn Glück ist nicht immer einfach, auch wenn es in den einfachen Dingen liegt.

Severina Kiriakova

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